Termos Taten
Ein Querschnitt aus drei Jahren
Freitag, August 31, 2001
      ( 19:05 )  
Heute Kisten geschleppt. Ich hasse Kisten. Und ich hasse Treppen. Und Nüsse. Nüsse hasse ich auch. Mutter sagt: "Kauf Nüsse." Will ich Nüsse kaufen, stehe vor dem Regal, was sehe ich? Nüsse am Stück, Nüsse gemahlen, Nüsse gehackt, Nüsse gehobelt, große Nüsse, kleine Nüsse, dicke, dünne, braune, schwarze, graue...

Entscheidet man sich schließlich für eine Abart und kommt dann nach hause, so ist es doch falsch, weil Mutter meinte Erdnussflips. #

Sonntag, September 16, 2001
      ( 01:33 )  
Unglaublich! Unglaublich! So etwas von einem in den Sand gesetzten Abend habe ich seit dem Golfkrieg nicht mehr erlebt.

Das traurigste an der Sache ist: Wenn mal so einer der wenigen Abende anliegt, an denen ich nicht selber fahren muss, dann bereue ich es immer gleich. Am liebsten wäre ich nämlich stante pede wieder wieder nach Hause gefahren.

Wenn wir einfach mal so kleine Ärgernisse wie haufenwiese Scherben und einen umgekippten Bauwagen außen vor lassen, kommen wir immer noch auf eine besoffene aggressive Meute, die bei meinem Eintreffen schon einen derartig großen Vorsprung in Sachen Alkoholpegel hatte, dass ich mich (allein schon aus gesundem Selbsterhaltungstrieb) gar erst bemühte, aufzuholen.

Das führte allerdings dazu, dass man mir quasi Schläge androhte, falls ich ein Glas Korn verweigern sollte. Als dann Partyfässchen, Weizengläser und andere Kleinteile durch die Gegend flogen, zog ich es doch vor, mich in Neutrale Gegenden zurückzuziehen.

Also schließlich so gegen viertel nach 11 (!!!) der Gastgeber das Handtuch warf, verlief sich die Menge bald. Doch das Elend war noch nicht vorbei, weil zwei besoffene Säcke im Auto dafür sorgten, dass wir uns nicht langweilten.

Der eine ging dem anderen ständig an die Gurgel oder versuchte ihm anderweitig, ihm Gewalt anzutun, während das Opfer nicht müde wurde, seinen Peiniger zu provozieren. Als wir sie dann auseinandersetzten (wie in der Grundschule), säuselte der eine den ganzen Rest der Fahrt "Hannes ist tot. Hannes ist tot. Hannes ist tot..."

Alles in allem: Ein paar graue Haare mehr, ein weiteres Wochenende, das besser aus dem Gedächtnis zu streichen und die Erkenntnis, dass sich ein Haufen selbsternannter Erwachsener auch noch so benehmen kann, als würde er zum ersten Mal an einer Flasche Schnaps riechen dürfen.

Und genau diese Flasche Schnaps hau ich mir jetzt alleine mitten in der Nacht vorm Fernseher hinter die Binde! So! Das habt ihr nun davon! #

      ( 14:48 )  
Deine eine Übeltäter von gestern Abend begrüßte mich heute mit "Nie wieder Korn" und behauptet, von gestern nicht mehr viel zu wissen... #

Dienstag, Oktober 16, 2001
      ( 23:02 )  
Mußte eben wieder erschrocken feststellen: Es gibt Haushalte in Ostfriesland, in denen die Teekultur nicht sonderlich entwickelt ist. Tee in einer Teemachmaschine (!) gemacht, von da in eine Thermoskanne (!!) umgefüllt, dann den Tee in Kaffeetassen (!!!) gefüllt und hinterher (!!!!) mit braunem Krümelkandis (!!!!!) gesüßt. Naja, man ist ja tolerant. #

Montag, Oktober 29, 2001
      ( 00:56 )  
Relativ unspektakulärer Tag. Habe das Hause Duin von seiner Computerlosigkeit befreit und durfte mir deswegen imaginär die Füße geküsst fühlen. Als ich ankam, durfte ich als allererstes Bekanntschaft mit dem blutrünstigen Familienhund machen. Da die Klingel an der Vordertür nicht funktionierte ging ich nämlich schlauerweise hintenrum.

Doch dort schoss mir auf einmal aus einer geöffneten Tür eine gefählich anmutende Promenadenmischung entegen. Ich dachte nur: "Jetzt ist's aus", als der Hund mich ansprang. Aber nein, weit gefehlt: Er war einfach froh, jemanden zum Spielen gefunden zu haben und war zu einem fremden wie mir handzahm wie ein Teddybär. Toller Wachhund. Ich hätte unbemerkt die ganze Kuhherde aus dem Stall treiben können.

Die anschließende heutige Rollenspielrunde brachte nur wenig neues. Hannes behauptete, dass sein Charakter "Hard to kill" auf der Stirn stehen hätte, doch durch sein Genuschel kam das ganze bei der Allgemeinheit nur als "Harte Tucke" an. Und so ensteht eine neue Legende. Das war fast so schön wie damals, als Moritz meinte, sein Zwerg hätte gelbe Scheiße, aber alle glaubten, er hätte Geld wie Scheiße. #

Sonntag, November 04, 2001
      ( 03:15 )  
Nachdem wir ja aus Hilkos kulinarischem Wortschatz den Ausdruck "Schnipo" für Schnitzel/Pommes bereits kennen, lernen wir nun eine weitere wichtige Vokabel: "Apatschenlatte, die". Gemeint ist eine ordinäre Currywurst. Man stelle sich vor: Hilko kommt an eine Pommesbude und ruft lautstark: "Chef! Einmal Schnipo und 'ne Apatschenlatte!" Joachim würde für sowas wahrscheinliche geteert und gefedert.

Danach gabs es mal wieder eine fröhliche Runde D&D. Mehr fröhlich als D&D, denn der Anteil von schlechten Witzen und rumgealber lag im Verhältnis zum eigentlichen Spiel etwa bei 70:30.

Joachim war offensichtliche NICHT in der Lage, eine Tube Patex ordnungsgemäß zu bedienen, da der Klebstoff trotz gegenteiliger Angabe auf der Verpackung reichlich Fäden zog.

Moritz hielt sich aufällig zurück und verwandelte sich in einen Baum, der, wenns gefährlich wurde, ein wenig mit seinen Blättern raschelte. Frieso ließ eine Feuerwerk von schlechten alten Witzen los und Jan lachte sich erwartungsgemäß darüber tot. Hermann sah unten eine Wiederholung des WM-Finals von 1966. Als ich später darum bat, dass jemand runtergehen sollte um zu gucken, wie Deutschland gespielt hat, ist doch tatsächlich fast jemand runtergerannt.

Schließlich wird noch darüber diskutiert, ob der nächste Urlaub eher in Tadschkistan oder Usbekistan verbracht wird. Den Disput schließ Hilko allerdings mit der Feststellung, das man nur ein richtiger Staat ist, wenn man eine Fußballnationalmannschaft hat. #

Donnerstag, November 22, 2001
      ( 23:54 )  
Habe heute anläßlich meines berufsbedingten Besuches des Harry-Potter-Films von Lena ein paar Nachhilfestunden in Sachen "Frauenprobleme im Kino" erhalten. So müssen Frauen grundsätzlich mitten im Film auf die Toilette, gehen aber nicht, weil sie den Film ja sehen wollen. Kurz vor Ende müssen sie dann aber so dringend, dass sie doch gehen - und verpassen das große Finale.

Dann die Popcornproblematik. Lena meinte, dass es ja das schlimmste wäre, wenn man nach dem Film die ganzen Popcornkrümel am Hintern hätte. Ich sag, Krümel - okay, aber man krümelt sich beim Essen nicht an den Hintern. Die Erklärung war, dass Frauen immer so nervös und hibbelig wären und deswegen sich die Krümel überall hin verteilen würden. Aha.

Aber wem fällt das schon auf? Wer guckt schon Frauen auf den Hintern? Tztz.

Letztes wichtigestes Frauenproblem im Kino: Wer darf zuerst die Bravo lesen, nachdem man sie Hilko abgeknöpft hat? (Berechtigte Frage: Wie bekommt Hilko im Kino eine Bravo in die Hände? Aber das gehört in einen anderen Problembereich...)

Nebenbei: Jans kleine Schwester Teelka erstaunt mich immer wieder. Im Kino überreichte sie mir etwas von ihrem Popcorn mit ungefähr den Worten: "Hier, die Pippinische Schenkung" (oder so...).

Und Flachwitzflow hat schon wieder Notstand. #

Montag, Dezember 03, 2001
      ( 02:07 )  
Wenn unsere Rollenspielrunden manchmal auch tatsächlich die eine oder andere Weisheit hervor bringen, so war heute allerdings nur Platz für weniger philosophisches Gedankengut. Beiepiel: Frieso malte uns in allen Farben aus, wie sein Charakter sich des nachts ein paar Stunden der Körperpflege widmet. (Als Elf muss er ja nicht schlafen.)

Sein Bad in Eselsmilch wollte er so lange genießen, dass er in Milch hineinsteigt und aus Käse wieder herauskommt. Zu guter letzte wollte er noch was von seinem (Zitat) "Sex-Machine-Parfum" auflegen, welches in den drei Duftnoten "Hammer", "Hengst" und "Rohrkrepierer" im Angebot war.

Wenn ich mir das ganze bildlich vorstelle, läuft es mir kalt den Rücken herunter. #

Donnerstag, Februar 14, 2002
      ( 12:34 )  
Ich glaube, irgendjemand hat mir heute morgen irgendwelche Pilze ins Essen getan. Ich sehe nämlich sonderbare Muster und Zeichen in meinem Tee.

Oder ich hab einfach einen im Tee. #

Dienstag, Februar 26, 2002
      ( 20:40 )  
Habe heute ein paar Tage Urlaub klar gemacht. Einige Tage Ruhe in Heidelberg nächste Woche. Und das Verpflegungsproblem ist auch schon gelöst. Carolin meinte: "Ich lade uns dann bei meiner Freundin zum Essen ein."

Hilko hingegen hat neulich ein neues Volksfest erfunden. Konzeptionel stellte er es sich als eine Mischung aus "Erntedankfest und Massaker" vor. Der Mann hat das Zeug zum Vergnügungsminister.

Hannes dagegen fand (etwas aus dem Zusammenhang gerissen): "Das ist ja alles erschreckend zivilisiert hier!" #

Sonntag, März 31, 2002
      ( 00:54 )  
Das war wieder ein Tag. Ich fange am besten hinten an zu erzählen. Hatte nämlich gerade ein Deja vu. Vergangenen Donnerstag sah ich ja im Kino den Zombie-Film "Resident Evil". Und was mir eben widerfuhr, erinnerte mich doch sehr stark daran.

Ist ja Ostersamstag, kam also vom Osterfeuer mit dem Auto richtung zu Hause. Vor mir sehe ich plötzlich ne ganze Menge Gelblichter (Blaulichter waren es nicht, dass hätte sogar ich bemerkt) auf der Hauptstraße, wo mehrere große Fahrzeuge die Bahn versperrten. Machte mir keine Gedanken, setzte ein paar Meter zurück und fuhr eben durch Beningafehn. Fehler, großer Fehler.

Über der gesamten Ortschaft lag der Osterfeuerrauch wie ein gespenstischer Nebel. Kaum das man das Ortsschild hinter sich gelassen hatte, fanden sich alle paar Meter beiderseits der Straße einige dubiose Gestalten, die entweder am Kotzen oder am Knutschen waren (nicht nur Teenager, erschreckenderweise sogar sehr wenige Teenager).

Dann loderte vor mir das Osterfeuer beim Vehn-Hus wie ein großer Scheiterhaufen auf. Drumherum wogte die Masse von Zombies hin und her. Erschreckenderweise füllte sich die Fahrbahn zusehens mit entsprechenden Exemplaren, die auch nicht davor zurückschreckten, mir aufs Auto zu klopfen. Besonders dicke, alte Frauen haben offensichtlich einen Hang dazu. Als ich gerade befürchtete, dass aus dem Nebel gleich ein alter fehntjer Bauernzombie mit einem Hackebeil auf mich zu stürmen würde, war der Spuk vorbei. Ich mußte nurnoch durch eine Horde Kinder mit Fahrrädern pflügen und war gerettet.

Der letzte Zombie des Tages war allerdings Vadder, der schlaftrunken in der Küche das Licht löschte, als ich gerade dabei war, mir Essen zu machen. Der Vogel müßte schließlich schlafen.

Den Tag habe ich mit allerlei Kram verbracht. Streß bei der Arbeit und Osterfeuer in einer Art Müllwanne ("Ein Familienerbstück"). Hatte was von Ghetto. Moritz, Engelberg und insbesondere David entdeckten ihre Liebe dazu, Bierflaschen einzuschmelzen. Weiterhin stellte die Allgemeinheit fest, dass Stockbrotbacken eine ABM sei und man das Brot nicht essen, sondern über dessen Ästhetik streiten müsse.

Naja, böse Geister waren nach der stinkenden Müllverbrennaktion jedenfalls keine mehr weit und breit
#

Montag, Mai 20, 2002
      ( 01:35 )  
Wat macht man, wenn man Nachts nicht schlafen kann? Man betrinkt sich oder man guckt Fernsehen. Heute habe ich mal Fernsehen geguckt.

Und was muss ich sehen? Oliver Kalkofe betrinkt sich vor laufender Kamera mit Götz Alsmann und Christine Westermann ("Wodka macht Kopp klar"), nachdem man gemeinsam Schlagsahne mit Eierlikörgeschmack gefressen hat. Klasse. Das wäre mal ne Sendung für mich.

Außerdem lief heute "L.A. Confidential" im Fernsehen und ich habs verpasst. Das war mit Schießen und so.

Mal gucken. Vielleicht haben wir ja auch noch irgendwo Wodka im Haus. Das schöne ist, wenn man bei sich zuhause ist: Man muss nicht mehr Auto fahren, um nach Hause zu kommen. #

      ( 02:18 )  
Nachtrag: Gibt natürlich noch ne dritte Möglichkeit, wenn man nicht schlafen kann: Essen. Habe nämlich noch ne Schachtel Kekse gefunden und nun ist mir schlecht. Schlechter, als mir nach literweise Wodka hätte sein können.

Vielleicht liegts aber auch am Fernsehen. Da lief nämlich eine Wiederholung des deutschen Vorentscheides zum Schlager Grand Prix des Jahres 1998. Mit Guildo Horn und so. Teufel, was hat Deutschland schlechte Musiker hervorgebracht. Bah!

Ich muss jetzt noch irgendwie die Nacht rumkriegen. Spazieren gehen könnte man eigentlich mal. Vielleicht hat die Kneipe auch noch offen. Mal sehen... #

      ( 03:38 )  
Nu habe ich doch noch angefangen zu trinken. Der Magen verlangte danach. Und Kruiden zu trinken ist ja auch eigentlich kein Saufen, sondern Huldigung der Vorfahren. Wie heißt es außerdem so schön? "Das Essen, nicht das Trinken, bracht' uns ums Paradies."

Das inspiriert mich zur Lyrik:

Dem Schlaf vorenthalten
wache ich in der Nacht.
Die Füße erkalten,
ach wär doch schon Tach.

Das Gebäck schwer im Magen
den Geist voll von Stuss
will ich nicht verzagen
obwohl es ich muss.

Geht Kruiden zu Neige
wird mein Herzen mir schwer
Auch kein Wodka mit Feige.
Ach, hätt' ich doch mehr.

Kein Schaf mehr zum zählen
So kriecht diese Nacht
was muss ich mich quälen
und hab alweer Schmacht.

So bleibt keine Wahl
der geschundenen Seele
Ich fang mir nen Aal
und befeuchte die Kehle.

Den Schlaf find ich nimmer
doch kümmerts mich wenig
So bin ich noch immer
der nächtliche König

Ich könnte ewig so weitermachen. #

      ( 03:46 )  
Teufel, wat hat so ne Uhr doch viele Zahlen. #

Sonntag, Juni 30, 2002
      ( 16:50 )  
Man lernt ja nie aus. Besonders auf so einem Festival wie in Lingen. Die erste Heldentat war, dass anstelle eines Windschutzes eine Regenplane gekauft wurde. Grandiose Idee. Regen kommt nämlich von oben und nicht von der Seite. Allerdings hätten wir auch eine tragbare Heizung erstehen sollen, doch wer ahnt schon, dass die Nächte Ende Juni dermaßen kalt sein können. Aber wir sind ja hart. Nur Gabor nicht, der hat im Auto geschlafen.

Als nächstes: Was komische Leute angeht, kann es immer noch schlimmer kommen. Ein paar Beispiele von der Primitivenparade: Bierrutschen. An sich schon eine selten bescheuerte Erfindung. Aber ein paar Spezis haben scheinbar einen ihrer wenigen kreativen Momente genutzt und das Prinzip perfektioniert. Dazu wurde ein gut zweieinhalb Meter hoher Pfahl in den Boden eingelassen, an dem die Bierrutsche hochgezogen werden konnte. Unten hatte das Teil dann vier Ausgänge. Naja. Wenn man sonst nichts zu tun hat...

Dann nächtliche Ruhestörungen. Gut, man erwartet auf einem Festival nicht wirklich, dass man eine Nacht in Ruhe verbringen kann, aber einige Dinge sind dann doch außergewöhnlich nervtötend. Zum Beispiel Kopulationsgeräusche, die immer mal wieder mit penetranter Hartnäckigkeit über den Zeltplatz schallten. Auch wenn man das sicher auch leiser hätte veranstalten könnte, war der eigentliche Störfaktor dabei aber weniger das entsprechende Pärchen als die Masse grölender Primaten, die sich offensichtlich sehr schnell um das dazugehörige Zelt zusammmenrotteten. "Höhö! Die geht ja ab!" "Los, stech sie ab! Höhö!" "Höhö! Darf ich auch mal ran?"
Furchtbar!

Oder die Müllberge. Selbst wenn Mülleimer dagestanden hätten, hätte wohl jeder genüßlich seinen Müll daneben abgelegt. "So ist das eben auf nem Festival." Blödsinn! Wenn man selber nicht aufräumen muss, hat man scheinbar eine besonders große Freude daran, anderen besonders viel Arbeit zu machen.

Sowieso, wenn man sich nicht gerade kannte oder gemeinsam da war, nahm man eh herzlich wenig Rücksicht aufeinander (andernfalls lebte man dafür quasi in einer Art Kommunismus). Das fängt an bei "Nachts aus Spaß fremde Musikanlagen ganz laut aufdrehen", geht über "Bei der ersten Gelegenheit Nachbarn ihre Gartenstühle klauen" und endet noch lange nicht bei "Wenn man besoffen sein Zelt nicht wiederfindet, legt man sich einfach in das erst Beste, das man findet".

Gewissen Gesprächsthemen scheinen sich aber auch nicht totzulaufen. Ich denke da an "Arschficken", "Afterschweiß", "Fußball", "Fäkalien" und ähnlich anal orientierter Gesprächsstoff. Nebenbei habe ich noch Bierdosengolf gelernt, Gabors neuen Wagen gesehen und mich über einen Pseudometaller gefreut, der Manowar-Texte falsch zitiert hat. Die Zeile "THEY WERE THE METAL KINGS!" konnte wir dann aber auch alle mitgrölen. Irgendwie hat unser Zeltplatz aber auch die seltsamsten Gestalten angezogen. Zuletzt war dann sogar noch eine Sozialpädagogikstudentin da.

Alles in allem hab ich mich wohl amüsiert. #

Samstag, Juli 06, 2002
      ( 19:15 )  
Wider Erwarten bin ich noch nicht ganz verendet.

Ist aber schon irgendwie interessant, was mit einem passiert, wenn man tagelang keine Nahrung zu sich nehmen kann (bzw. diese mehr oder minder umgehend wieder heraus kommt). Da bekommt man ein ganz neues Körpergefühl.

Wenn man zum Beispiel den Kopf dreht, braucht das Gehirn ein paar Sekunden, bis es sich mitdreht. Oder ich habe ständig das Gefühl, dass sich eine Fliege auf meine rechte Hand setzt. Aber wenn ich dann genau (soweit mir das noch möglich ist) hingucke, dann ist da nichts.

Die Ausssetzer sind auch was schönes. Es fehlen einem einfach auf einmal mehrere Minuten (seltener Stunden). Beim Fernsehengucken wunderte ich ich zum Beispiel einmal, warum da auf einmal eine andere Sendung lief. Dann fiel mir auf, dass die Sendung längst vorbei war und der Kanal gewechselt wurde. Wie oder wann das passierte, war jedoch von mir nicht mehr nachzuvollziehen.

Mein Herz schlägt auch ganz komisch. Mir aber auch schon so langweilig, dass es manchmal die einzige Unterhaltung ist, meiner Pumpe zuzuhören und zu raten, wann sie denn weiterschlägt. Naja, mein Kreislauf hat eh längst aufgegeben.

Träumen tut man auch ganz sonderbar. Letzte Nacht habe ich beispielsweise von Lotta geträumt, die sich einen Spaß daraus machte, mir mit Stöckchen in den Bauch zu pieken.

Heute morgen mußte ich, da ich ja mutterseelenallein und von allen guten Geistern verlassen bin, selber einen Einkaufsgang erledigen, um zumindest das Nötigste vom Nötigsten im Haus zu Haben. Erste Lehre, die ich daraus gezogen habe: Autofahren mit Tunnelblick ist nicht ganz ungefährlich. Zweite Lehre: Und Wenn der Mercedes hinter dir noch so drängelt, in der Ruhe liegt die Kraft. Auf jeden Fall mit Tunnelblick.

Tja, nachdem ich unter kalten Schweißausbrüchen und Orientierungslosigkeit im Combimarkt den Einkauf hinter mich gebracht hatte und den Wagen tapfer ohne Unfall wieder vor meine Haustür gesetzt hatte, mußte ich einen schweren strategischen Fehler bemerken: Eine Kiste Wasser vom Auto ins Haus zu trage, stellt für den normal ernährten und halbwegs gesunden Menschen, wie ich ja normalerweise einer bin, kein Problem dar.

In meinem derzeitigen Zustand erwies sich das jedoch als herkulanische Aufgabe. Zum Glück hatte ich im Geschäft instinktiv Plastikflaschen erstanden und keine Glasflaschen, sonst hätte ich gleich nochmal zurück zum Combi fahren dürfen. Und der Pfand wäre auch weg gewesen.

Andereseits: Scherben bringen Glück. Aber ich versuche mich jezt mal an einem reichhaltigen und delikaten Zwieback-Menü, ich alter Feinschmecker. #

Montag, Juli 22, 2002
      ( 14:51 )  
Ich frage mich hin und wieder ernsthaft, wo ich hier bin.

Ich sitze gemütlich am Küchentisch und lese Zeitung, über mir auf der Uhr sitzt Vadders Vogel Schröder. Vadder will gerade das Haus verlassen, erspäht aber zuvor seinen Flattermann. "Na? Schrödi? Liest du auch Zeitung?" An mich gewendet: "Schrödi liest mit."

Dann geht Vadder, kommt aber noch einmal zurück, um mir mitzuteilen: "Schrödi liest gerne die Kommentare." #

MMontag, September 02, 2002
      ( 14:00 )  
Mutter und ich unterhalten uns über meine gestrige Geburtstagsfeier.

Mutter: "Ist Moritz gestern denn schon eher gegangen als die anderen?"
Termo: "Moritz war gestern gar nicht da."
Mutter: "Wer was das denn dann, der bei dir auf dem Sofa gesessen hat?"
Termo: "Das war Jan."
Mutter: "Ach so. Hatte mich schon gewundert, warum Moritz so ein gutes Benehmen hatte." #

Donnerstag, September 19, 2002
      ( 14:20 )  
Unser Nachbar Ernst rief gerade an und fragte, ob Vadder und ich ihm eben helfen könnten, etwas zu tragen. Es wäre auch nichts dolles, meinte er. Nur ein "kleines Klavier". #

Sonntag, November 17, 2002
      ( 16:37 )  
Mutter erzählte gerade einer Freundin: "Mein Sohn wollte mal ein freiwilliges asoziales Jahr machen. Aber er hat keine Stelle bekommen." #

Samstag, Dezember 07, 2002
      ( 20:38 )  
14.00 Uhr: Termo kommt am Sportplatz an. Es ist bitterkalt, doch Termo ist ein harter Kerl. Das macht ihm gar nichts. Termo zückt seine Kamera und schießt Photos.

14.05 Uhr: Ein scharfer Ostwind kommt auf und bläst Termo eiskalt mitten ins Gesicht. Termo erwägt, den Standort zu wechseln, kann dieses Vorhaben aber nicht in die Tat umsetzten, da nur im Strafraum der Heimmannschaft (hinter deren Tor steht Termo) etwas passiert, da diese Tabellenletzte ist. Termo zuckt mit den Schultern. Er ist eben ein harter Kerl.

14.09 Uhr: Es fällt das 0:1. Termo hat es nicht geknipst.

14.10 Uhr: Termos Augen beginnen bei dem scharfen Ostwind zu tränen. Die Tränen wiederum frieren unter den Augen fest. "Stylish", denkt sich Termo, denn er ist hart und cool.

14.12 Uhr: Ein feiner Regen fällt herab. "Könnte schlimmer sein", denkt sich der coole Termo. Er ist ein harter Kerl.

14.15 Uhr: Der Regen wird zum Eisregen. Termo beschließt, nicht mehr durch die Brille, sondern darüber hinweg zu gucken. So machen das harte Kerle.

14.18 Uhr: Es fällt das 0:2. Termo hat es nicht drauf, obwohl er hart und cool ist. Der Heimtorwart wird langsam stinkig.

14.20 Uhr: Ob des zunehmenden kalten Windes beglückwünscht sich Termo dazu, die gute Lederhose angezogen zu haben. Obwohl er ein harter Kerl ist.

14.22 Uhr: Ob des zunehmenden kalten Windes verflucht sich Termo, dass er keine Mütze aufgesetzt hat. Aber was solls? Er ist ein harter Kerl.

14.25 Uhr: Beschließt, dass er seine Ohren sowieso noch nie gebraucht hat.

14.28 Uhr: Termo wird fast über den Haufen geschossen.

14.30 Uhr: Es beginnt zu schneien. "Ich hab Winterreifen", freut sich Termo

14.32 Uhr: Termo stellt fest, dass Handschuhe auch nicht mehr das sind, was sie einmal waren. Obwohl er ein harter Kerl ist stellt er fest, dass er seine Hände wohl oder Übel noch brauchen wird, allein um den Auslöser seine Kamera zu betätigen.

14.33 Uhr: Termo wird von den Leuten in der sportplatzeigenen Glühweinbude ausgelacht. Termo ist zu cool, um sich darüber zu ärgern. Aber Glühwein hätte Termo auch gerne.

14.36 Uhr: Das 0:3 fällt. Der Torwart wird äußerst stinkig.

14.37 Uhr: Termo sieht sich wüsten Beschimpfungen des Torwarts ausgesetzt, da gerade kein anderes Opfer in der Nähe ist. Doch Termo ist hart.

14.38 Uhr: Hagel setzt ein.

14.40 Uhr: Termo bemerkt, dass er seine Füße nicht mehr spürt. Schade drum. Aber gut für die Coolness.

14.42 Uhr: Termo wird erneut fast vom Ball getroffen. Termo verflucht die Kreisleistungsklassenstürmer. Doch er ist härter als der Ball.

14.44 Uhr: Termo kann vor Kälte (Coolness?) seinen Fotoapparat nicht mehr bedienen. Sei's drum.

14.45 Uhr: Termo war lang genug ein harter Kerl und geht. #

Dienstag, Dezember 17, 2002
      ( 16:34 )  
Dass ich mich auch immer in so eine Scheiße reinreite!!! Wir erinnern uns: Termo wollte Landtagsabgeordneter werden. Es war schon alles geregelt für die Kandidatur, alles in die Wege geleitet, 100 Unterstützerunterschriften gesammelt und abgegeben, der Wahlkampf sollte gerade beginnen, da bekam Termo überraschend einen neuen Job.

Dieser Job vertrug sich nicht unbedingt mit Politik, also beschloss Termo, seine politische Karierre aufzuschieben. Er reichte den Rückzug seines Wahlvorschlages beim Kreiswahlleiter ein und glaubte, die Sache wäre damit erledigt. Dem war nicht so.

Heute wurde Termo vom zuständigen Beamten angerufen (der auch bis dato geglaubt hatte, die Sache wäre erledigt). Dieser teilte Termo mit, dass es nicht mehr so einfach wäre, von seiner Kandidatur zurückzutreten, wie er kurz zuvor feststellen mußte. da gäbe es noch ein kleines Hinderniss. Termo muss nun von zwei Dritteln der Leute, die für ihn unterschrieben haben, erneut Unterschriften holen, um zurücktreten zu können.

Und in keinen zwei Wochen ist Stichtag... Fröhliche Weihnachten! #

Sonntag, Februar 02, 2003
      ( 20:24 )  
Vorläufiges amtliches Endergebnis: Bosse erreicht 0,4 Prozent! Es gab immernoch 162 Leute, die glaubten, mich wählen zu müssen. Selber Schuld. Oder besten Dank. Oder was auch immer.

Beim Tippspiel habe ich dabei interessanterweise selbst gewonnen, mit meinem Tipp von 150 Stimmen. Aber da das nicht fair wäre, bekommen die vier, die 0,3 Prozent getippt haben, jeweils einen ausgegeben: Bugl, Hilko, Helge und Groene.

Am meisten zugetraut hat mir meine Kusine Neele mit 22,5 Prozent. Das Wenigste hat Lotta erwartet, mit einem Tipp von neun (!) Stimmen. Fast schon unverschämt.

Damit ist das ganze endlich ausgestanden. Das wurde auch Zeit.
#

      ( 11:25 )  
Hiko räumte gestern mit einem Vorurteil auf: "Es heißt immer: Viele Männer leiden unter zu frühzeitiger Ejakulation." Kopfschütteln. "Wer behauptet denn, dass die darunter leiden?" #

Donnerstag, Februar 13, 2003
      ( 23:39 )  
Bowling gewesen heut - mal was anderes. Mit Hilko, Joachim und Groene. Drei Spiele. Ich hab natürlich alles gewonnen, aber das ist eigentlich Nebensache. Das war ja klar. Aber die Spielstile sind interessant gewesen.

Groene zum Beispiel. Groene hat stark begonnen. Immer butterweiche, präzise Würfe, sehr piano. Allerdings mit der Mädchenkugel. Und mit dem Zeigefinger. Allerdings wurde er zum Ende hin unkonzentriert und ballerte (so gut er eben ballern konnte) die Kugel gegen die herunterfahrende Absperrung, die das Aufstellen der Pins garantieren soll.

Hilko. Mit sehr viel Hass. Die dunkle Seite des Bowling. Die Kugel immer aufs Parkett geballert, dass es nur so krachte. Sein erstes Spiel war desasterhaft, ein Kopf an Kopf Rennen mit Joachim. Aber dann wurde er stärker. Doch je zufriedenstellender seine Ergebnisse wurden, umso zahmer wurde auch er. Dann warf er wieder zwei Nullen am Stück und der Hass war wieder da. Im zweiten Spiel konnte ich mich erst gegen Ende deutlich absetzen.

Joachim. Auf Joachim ist Verlass. Sein erstes Match war quasi nicht vorhanden. Insgesamt 35 Punkte, dabei die letzten Vier Durchgänge, ohne einen Pin zu treffen. Joachims Wurfstil kam immer aus einer Hüftdrehung, daher hatte er einen starken Linksdrall, bzw. er pfefferte die Kugel gleich in die Seitenbahn. Im letzten Spiel wurde er allerdings etwas konstanter und konnte erst kurz vor Schluss von Hilko vom zweiten Platz verdrängt werden. Joachim war auch immer glücklich, wenn andere die Fehler machten. Als Hilko zum Beispiel den einzigen Übertreter des Abends fabrizierte, erklärte er glücklich: "Hach, was bin ich froh, dass Hilko als erster in die Scheiße greift." #

Samstag, April 19, 2003
      ( 01:05 )  
Prof. Dr. humoris causae Jan Groeneveld referierte heute: "Die Grundpfeiler jeden Humors: Fäkalien und irgendwas mit Kopulieren."

Ob das wohl stimmt? #

Donnerstag, Mai 08, 2003
      ( 16:18 )  
Heute ist in ganz Deutschland "Girl's Day". Lachhaft. Wo ich bin, ist immer "Girl's Day". #

Dienstag, Mai 20, 2003
      ( 20:25 )  
Mein Chefredakteur hielt heute einen Artikel von mir in der Hand, sah mich skeptisch an und sagte: "Irgendwas vermisse ich an diesem Artikel. Die Fehler! Und die Überschrift ist auch gut. Herr Bosse, was ist los mit Ihnen?" #

Montag, Juni 30, 2003
      ( 18:44 )  
Okay. Komm ich also gestern Abend nach der Arbeit nach Hause. Es ist unglaublich still in der Stadt. Ich kann zwar noch nicht wieder auf meinen Parkplatz, weil da steht noch immer die Trachtengruppen-Bühne, aber es ist zumindest ruhig. Weit und breit niemand in Tracht.

So erledige ich nur noch ein wenig Papierkram, gucke etwas Fernsehen und kuschel mich nach den durchwachten Nächten und anstrengenden Tagen schließlich erstmals wieder mit dem Bewusstsein ins Bett, dass es ruhig sein wird und ich nicht durch dudelnde Akkordeonmusik und Peitschenknallen geweckt werde. Wohlige Wärme umfängt mich, als mein gedankenschwerer Kopf sich auf das weiche Kissen bettet und kaum dass ich mich in meine Schnuffeldecke gerollt habe, gleite ich auch schon in das Reich der Träume hinüber...

Wenig später. Es geht auf 24 Uhr zu. Durch das offene Fenster ertönt plötzlich ein markerschütternder Knall sowie das laute Heulen eines PS-starken Motors. Temmo sitzt kerzengerade im Bett. Draußen knallen ein paar Türen, dann ein Ruf über den weiterhin laufen Motor, im breitesten norddeutschen Akzent: "Du musst den Laster näher ran fahren!" Der Motor heult wieder auf, erstirbt dann. "Noch näher! Ach, ist auch scheißegal. Kriegst Du ja sowieso nicht hin."

Eine weitere Tür fällt zu, eine andere Stimme mault laustark: "Wat hast Du nu wieder zu meckern?"

"Nichts." Ein langezogenes hydrauliches Geräusch lässt vermuten, dass die Ladeplattform des Lasters heruntergefahren wird. Erneut die erste Stimme: "Was ist hier denn passiert? Das ist ja runtergefallen!"

"Was ist runtergefallen?

"Na, das hier. Guck!"

"Da ist doch nicht nix runtergefallen."

"Türlich. Hier! Hast du nicht richtig festgemacht! Was soll ich nur wieder dem Chef sagen?"

"Was du immer sagst: Dass ich es kaputt gemacht habe."

"Stimmt ja aber auch immer! Und nu hör auf, hier dumm rumzuquatschen, ich will die Bühne schnell abgebaut haben..."

Und das mit gehörigem Gepolter. Aber schließlich gegen halb zwei in der Früh ist das Kapitel "Niedersachsentag" endlich, endlich auch für mich beendet... #

Sonntag, August 03, 2003
      ( 22:02 )  
Dönerläden sind ein Quell ewigwährender Freude. Da erlebt man immer interessante Geschichten. Heute zum Beispiel. Nach dem langen Tag hatte ich einen ziemlichen Schmacht und da mein Magen von dem Gelage gestern Abend wohl noch etwas geweitet war, musste ich dringend nachlegen. Als ich mir also in besagtem Dönerladen einen ordentlichen Fleischbrocken zurecht machen ließ, kamen ein paar junge Leute herein.

Schwer zu beschreiben, diese Gruppe. Ein eigenwilliger Klamottenstil war ebenso auffällig wie das langsame Reden und das offenbar schwerfällige denken. Wie halt so jemand ist, von dem man die klischeehafte Behauptung aufstellt, er hätte sich das Gehirn weggekifft. Diesen Eindruck hatte der Dönermann offensichtlich auch.

Jedenfalls zog der Großteil von denen schnell wieder ab, während einer da blieb, bestellte und auf das Essen wartete. Derweil fragte er auch in seiner langsamen Art, weit es denn bis zur holländischen Grenze wäre. Der Dönermann sagte es ihm. Wie man da am besten hinkäme, wenn man kein Auto hat. Mit dem Zug, sagte der Dönermann. Aber da würde heute keiner mehr fahren, sagte der Kerl. Was denn ein Taxi nach da kosten würde. Wusste der Dönermann nicht. Und ich auch nicht. "Sind Sie mit dem Auto da?" fragte mich der Kerl. "Wir geben ihnen 10 Euro, wenn sie uns nach Holland fahren." Ich musste dankend ablehnen.

Sie kämen nämlich aus dem Rheinland, erzählte er weiter. Nun ging der Dönermann in die offensive. Ob es denn im Rheinland nichts ordentliches zu rauchen gäbe, wollte er von dem Knilch wissen. "Doooch", kam die quälend langsame und langgestreckte Antwort, doch der Dönermann machte gleich weiter: "Aber keinen ordentlichen Puff?"

"Dooch, den gibts auch", verteidigte sich der junge Mann. "Aber nicht so billig wie in Holland!" stellte der Dönermann fest. "Wir wollen gar nicht in'n Puff", meinte der Kerl. "Ich hab doch ne Freundin."

"Dann muss man erst recht", trieb es der Dönermann grinsend auf die Spitze. "Neee. Wir wollen auch nicht rauchen. Wir wollen ans Meer." Er beschloss, dass sie sich ein Taxi teilen wollten und ging, um an der frischen Luft auf die Fertigstellung seiner Bestellung zu warten.

Der Dönermann winkte mich ran. "Eh. War die eine Type, die da vorhin bei dem war, ein Mann oder eine Frau? Die hatte dicke Titten, aber 'ne Stimme wie ein Mann. Und'n Bart hatte die auch."

Geschichten, die der Döner schreibt. #

Sonntag, September 07, 2003
      ( 23:42 )  
Das hat man dann davon. Philine ist wie Vadder. Man legt ihr einen Text (meine Reportage) vor und sie nimmt ihn vollkommen auseinander. Zugegebenermaßen war ich da auch schon vorher nicht soooo stolz drauf, aber nu mag ich den gar nicht mehr anfassen, den Text.

Und das nur, weil ich mit dem Einleitungssatz ihrer Reportage nicht so einverstanden war. Der fing mit "bräche" an. "Bräche", wat is dat überhaupt fürn Wort?

Egal, wir haben jedenfalls gegenseitig alle unsere Klischees bestätigt. Philine hat ein Frauenthema ("Ballettanzen"), Termo hat ein Männerthema ("Rockfestival"). Sowieso sind die Männerthemen ("Sexshop", "Ausnüchterungszelle") und die Frauenthemen ("Wunderheiler", "Häusliche Pflege") im Kurs sehr archetypisch verteilt.

Oder die Zitate, auf die wir Wert legen. Philine zitiert "Ich möchte gerne der Prinz im Schwanensee sein" (oder sowas), Termo zitiert "Ich bin so fertig, ich kann nicht mal mehr saufen". Oder die Ausdrucksweise. Sie schreibt: "Er lächelt für das Publikum, für den Spiegel und aus Freude am Tanzen." Ich schreibe: "Ein Schlag in die Rippen hier, ein Stoß auf die Nase dort, Schmerzen, Sauerstoffknappheit und brennender Durst, doch es könnte schlimmer sein."

Versteht mich nicht falsch, ich finde das gut. Aber wat wäre es gewesen, wenn wir die Themen getauscht hätten? Ich, vom Ballett so viel Ahnung wie ein Backstein vom Schwimmen und sie, die sie minutenlang mit ihrem Freund über die ihr unbekannte Vokabel "Stage Diving" diskutiert. Das wäre ein Höllenspaß gewesen, Satandüvelblixen! #

Mittwoch, Oktober 01, 2003
      ( 19:33 )  
Heute aufm Dorf im Rheiderland. So ne Art Bürgerversammlung. Ich komme da an und sage: "Moin tosammen". Kommt einer aus der neugierig guckenden Menge auf mich zu. "Well büst du denn? Van'd Bladdje?"

"Jau", sag ich. "Van'd Rheiderland Zeitung." Da sagt er: "Oh. Een neij Gesicht bi'd Bladdje." In dem Dorf war ich tatsächlich noch nicht gewesen vorher. Dennoch sage ich: "So nej ook weer neet. Ik bün al siet`n Jaar d'bi."

"Büst du ook ut' Rheiderland?" Oha. Die Frage, vor der sich jeder Nicht-Rheiderländer im Rheiderland fürchtet. Ein kurzes Stocken meinerseits, aber ich kann die ja nicht anlügen. "Nee. Ik bün van'd anner Sied van'd Eems."

Schlagartig wird es still im Raum und alle sehen mich an. Bis dann dann einer aus der Menge sagt: "So lang he Platt proten deit, geiht dat ja noch." Allgemeines zustimmendes Gemurmel. Die Gespräche gehen wieder los und man bietet mir einen Platz an.

Im Rudel akzeptiert. #

Montag, November 10, 2003
      ( 13:32 )  
Dann hab ich da noch ne Frau getroffen, die dachte, Ostfriesland wäre eine Insel.

Höchstens eine Insel der Glückseligkeit. #

Montag, Dezember 01, 2003
      ( 20:08 )  
War ein selten bekloppter Tag heute. Und der Verwechslungsreigen geht munter weiter. Ich steh so auf dem Deich, da kommt ein alter Friese auf mich zu und sagt: "Moin Herr Coordes."

Ich sag: "Ik bün neet de Herr Coordes, ik bün de Herr Bosse."

"Oh", seggt he. "Un ik hebb docht, dat du de Herr Coordes büst."

Warum ich auf dem Deich stand? Nun, vergangene Woche fuhr ein Holländer nachts mit seinem Kahn durch die Ems. Er dachte sich auf einmal: "Bieg ich doch einfach mal rechts ab, mal gucken, was passiert."

Und was passierte? Rechts war das Ufer, er rammte eine Buhne und sank. So weit so gut. Ich jedenfalls wollte heute mal schauen, wie die Bergung des Wracks so voranging. Blöde Idee. Es gab wenig zu sehen, dafür aber eine Menge Schlamm, durch den man stapfen musste.

Als ich schließlich mit nassen Füßen und von oben bis unten mit Schlamm besudelt in der Redaktion auftauchte, würdigte man mein persönliches Opfer für den Journalismus nicht, sondern war froh, sich mal wieder gepflegt über den Bosse (Coordes?) lustig machen zu können. #

Samstag, Januar 17, 2004
      ( 12:44 )  
Nebenbei kam uns die Idee, was für ein spitzen Scherzartikel es wäre, wenn man Schokoladen-Phalli so verpacken würde, dass sie aussehen wie Schokoladenweihnachtsmänner. Das gäbe ein Hallo an Heiligabend. #

Sonntag, Februar 22, 2004
      ( 20:34 )  
Der Bauer auf dem Küchentisch

Es fing damit an, dass Hannes es für unheimlich praktisch hielt, wenn eine kleine Taschenkuh auf dem Tisch herumlaufen würde. Dann hätte man immer frische Sahne für den Tee.

Auf den Einwurf hin, dass die Kuh ja aber den ganzen Küchentisch vollscheißen würde, kam man darin überein, dass sich jemand um die Kuh kümmern müsste: Ein Bauer in entsprechender Größe, der auf dem Tisch wohnt und das alles ganz normal findet.

Der grüßt dann jeden Morgen "Moin"), wenn man beim Frühstück sitzt. Dann läuft er mit seiner kleinen Mistgabel auf der Schulter an den Cornflakes vorbei, während er die Kuh (oder gar mehrere davon), über den Tisch treibt. Und freut sich seines Lebens.

Nur zum Scheißen verlässt er den Tisch, denn sein Plumpsklo befindet sich im Garte. Den Weg dahin, der durch eine Art Katzenklappe in der Haustür führt, legt er mit einer kleinen Zeitung unter dem Arm zurück. Da es für Zeitungen in dieser größe kein Abonnement gibt, ist es immer die selbe Zeitung. Aber das stört ihn nicht. Denn das ist für ihn ganz normal.

Probleme gibts nur mit dem unterschiedlichen Lebensrhymtus. Jeden Morgen um 5 Uhr schmeißt er seine Melkmaschine an. Das nervt natürlich. Ebenso ist es eher ungünstig, wenn man nach Hause kommt und der Küchentisch ist gegüllt. Oder wenn ein kleiner Trecker beim Mittagessen um die Teller kurvt.

Alles ganz normal.

Oh Gott, ich muss ganz dringend hier raus. Ganz dringend! #

Donnerstag, März 25, 2004
      ( 10:11 )  
Aus Kruiden, Kur und Jever-Bier
besteht diese Geschichte hier.
Mit Kruiden, Kur und Friesen-Bräu
Bleibt einem stets die Lyrik treu.

Es lebten einst im Friesenland
viele Männer, arg verkannt.
Und eines Freitagabends nun
ließ ein Gedanke sie nicht ruh'n.

"Es wird erzählt, dass ich nichts kann",
fing einer dort zu sprechen an.
"Das ist gelogen, wie ihr wisst.
Denn jeder weiß, wie's wirklich ist."

Die ander'n riefen "Wahr gesprochen!
Den Braten ha'm wir gleich gerochen.
Denn auch, wenn man's es gern verhehlt:
Das wird auch über uns erzählt."

Bei dieser kollektiven Klage
trat dann noch einiges zutage:
"Man sagt, ich hab zwei linke Hände."
"Es heißt, ich pinkle gegen Wände."

"Vor mir sagt man, ich wär’ ´ne Memme."
"Von mir, dass ich mich dauernd kämme."
"Ich bin angeblich ziemlich hässlich."
"Für mich sei Rülpsen unerlässlich."

"Die Leute sagen, dass ich stinke."
"Es wird behauptet, dass ich trinke."
"Man sagt, ich sei ein Lügner gar."
"Und meine Mudder 1000 Jahr!"

"Ich fürchte", sagte einer dann,
"dass kein Schwanz uns leiden kann."
Von der Erkenntnis schwer getroffen,
wurd’ erst mal ordentlich gesoffen.

Weil dies die Laune nicht erhellt
- doch trotzdem allen gut gefällt -
fasste die Meute einen Plan:
"Wir geh’n die Sache praktisch an."

So kam’s, das spät in dieser Nacht
Der Trupp sich auf die Socken macht.
Und kaum, nachdem sie losgelaufen
War’n sie auch gleich wieder am saufen.

Nach einer Flasche Apfelkorn
- man fühlte sich wie neugebor’n -
der Haufen vor der Disko stand.
Und da geschah dann allerhand.

Den Ersten, der zur Tür raus kam,
man wortlos auseinander nahm.
Beim Zweiten heuchelt’ man Int’resse
Und gab ihm trotzdem auffe Fresse.

Der Dritte bekam erst zu hören,
man wolle ihn ja gar nicht stören,
doch wär’ man g’rad so schön dabei.
Und schlug auch diesen Mann zu Brei.

So ging es noch `ne ganze Weile.
So mancher bekam kräftig Keile.
Und als der Durst dann überwog
Man schließlich an die Theke zog.

Dort gab es dann die nächste Runde.
Zu dieser vorgerückten Stunde
beschlossen unsere Freunde froh:
"Das machen wir jetzt immer so.

Wer uns nicht mag, ist drauf erpicht
dass man ihm alle Knochen bricht.
Und da uns niemand leiden kann
Verhau'n wir einfach jedermann."

...sowas passiert, wenn man nachts nicht schlafen kann. Ich nenne es "Die Urfaust". #

Dienstag, April 13, 2004
      ( 15:06 )  
Zum Thema "Clash of Cultures" gab gerade mein Kollege Kai-Uwe eine Geschichte zum Besten, die er angeblich irgendwo gehört haben will.

Demnach sollen wegen der Verstopfung einer Rohrleitung in einer Mietskaserne zwei urostfriesische Handwerker zum Ort des Geschehens geschickt worden sein. Die Tür der offensichtlichen Verursacherwohnung öffnete ein ausländischer Mitbürger, dem man mit Hängen und Würgen und unter großem Geschnatter das Anliegen mitteilen konnte.

Beim Weg durch die Wohnung fielen den Handwerkern aus dem Augenwinkel jedoch zwei weitere gefährlich aussehende Südländer in der Küche auf, die offenbar blutverschmierte Hände hatten. Daraufhin machte sich etwas Nervosität bei den beiden Handwerkern breit.

Also sagt der eine leise zum andern: "Pass up, ik nehm de Rohrtang und du de grote Haommer un wenn di een anpacken deit, denn hau'n wi blot noch fast d'rup!"

Soweit kam es allerdings nicht. Im Badezimmer fand sich nämlich in einem Blutbad ein geschlachtetes Schaf. Dessen Fell war wohl einfach kurzerhand die Toilette hinuntergespült worden und verursachte die Verstopfung. #

Montag, April 19, 2004
      ( 21:45 )  
Als meine Mutter vor ein paar Monaten meinen Bruder im Krankenhaus in Dresden besuchen wollte, irrte sie stundenlang in der Stadt herum, weil sie die Klinik nicht fand. Also marschierte sie in ein großes Haus, vor dem ein Polizeiauto stand, weil sie sich dachte: "Wo ein Polizeiauto steht, muss eine Polizeiwache sein und die Polizisten können mir sicher weiterhelfen."

Sie marschierte da also rein und wäre fast festgenommen worden, weil das Gebäude, wie man ihr dann mitteilte, das Haus des Ministerpräsidenten war. Ein "netter Herr", wie Mutter erzählte, erklärte ihr dann aber ausführlich, wie sie zur Klinik kommen konnte.

Gestern schaute Mutter sich nun diese nichtsnutzige Christiansen-Sendung an. Und eben krähte sie am Telefon: "Das war damals der Ministerpräsdident. Der Milbradt. Ich hab ihn erkannt. Die gleiche lispelnde Stimme..."

Mutter freut sich. Ich sag: "Mutter, die hätten dich erschießen können."

Mutter: "Und ich hätte den erschießen können."

Ich: "Deswegen ja..."

Nur eine weitere Anekdote in dem sprichwörtlichen Buch "Ostfriesen in der großen Stadt". #

Dienstag, Mai 25, 2004
      ( 09:39 )  
Ich habe letzte Nacht mal Strichliste geführt. Bei jedem Aufwachen einen Strich. Sieben Stück warens heute Morgen.

Da frage ich mich, wann ich dann noch Zeit hatte, so ein komisches Zeug zu träumen. Aber ich habe, und zwar in etwa Folgendes:

Mein Auto ist kaputt, deswegen muss ich anders zur Arbeit kommen. Ich entscheide mich zunächst für eine Fähre, die über die Ems ins Rheiderland fährt. Da muss man durch so ein komisches Industriegebiet hin. Außerdem sind eine Menge Kühe, ein paar alte Autos und ein paar Leute von der FDP mit da drauf. Es wundert dann zwar, dass bei der Abfahrt die Fähre von einem Kran auf einen Laster geladen, über die Jann-Berghaus-Brücke gefahren und in einem sumpfigen Gebiet bei Bingum wieder zu Wasser gelassen wird, aber Hauptsache, ich bin drüben.

Nun will ich mich auf den weiteren weg zur Arbeit machen und per Anhalter weiterfahren, werde aber vorher von eine jungen Dame gebeten, ein Verbrechen aufzuklären. Dazu muss ich in einen mysteriösen unterirdischen Gang.

Ich komme auf der anderen Seite aus einer Geheimtür beim Bingumer Kirchturm wieder heraus und habe offenbar das Verbrechen aufgeklärt, denn die Dame dankt mir überschwänglich. Ich schwinge mich anschließend auf einen Heukarren, der mich nach Weener zur Arbeit bringt.

Dort angekommen gehe ich in mein Büro (ich habe eigentlich gar kein eigenes Büro) und muss feststellen, dass es leergeräumt wurde. Der Chef erklärt mir, dass aus Kostengründen ALLE Mitarbeiter des Verlags in ein Großraumbüro im dritten Stock gepfercht worden sind (wir haben keinen dritten Stock).

Da finde ich meinen Platz zwischen zwei Druckern, die immer irgendwelche Druckplatten über meinen Schreibtisch werfen. Dann passiert nicht mehr viel. Nur noch der Kollege Hanken zeigt mir seine neueste Erfindung: Er hat einen Drucker an die Telefonleitung angeschlossen, damit er nicht mehr mit all den Leuten telefonieren muss. Der Drucker druckt jetzt ganz einfach aus, was die Leute sagen wollen. #

Donnerstag, Mai 27, 2004
      ( 13:08 )  
Ach ja, mein geliebtes Ostfriesland: Angeblich haben sie in Weener vergangene Nacht die größte Indoor-Cannabis-Plantage ausgehoben, die es je in Norddeutschland gegeben hat. Ich werde gleich mal eine Ortsbegehung machen. #

      ( 18:00 )  
Normalerweise habe ich es ja nicht so mit Bildern bei "Termos Taten", man anners löven ji dat noit.



Davon mehrere Hallen in einem Haus mitten in der Altstadt von Weener. Und keiner will was gemerkt haben... #

Sonntag, Juni 13, 2004
      ( 20:30 )  
Ich tingelte vorhin noch (wie sich danach herausstellte reichlich überflüssigerweise) durch die rheiderländer Wahllokale. Aber so gar nix los. Am besten war dazu der Kommentar in Holtgaste: "Können wir uns gar nicht erklären. Gestern auf dem Dorffest war noch so viel los." #

Dienstag, Juli 06, 2004
      ( 12:15 )  
Wir erinnern uns? Termo beschwerte sich über und bei der Stadt Leer, wegen ihrer Kaffeesahne im Tee. Nun kam Tatsächlich eine Antwort:

"Die Stadt bietet ihren Gästen gern im Rahmen von Empfängen Tee an, gerade auch um Auswärtige mit der ostfriesischen Teekultur bekannt zu machen. Dazu gehört selbstverständlich auch das Teewulkje, das tatsächlich kaum mit Kaffeesahne gelingen kann.
Selbstverständlich schmeckt der Tee mit Teesahne auch besser als mit Kaffeesahne. Ihr Hinweis wurde an die zuständige Stelle weitergeleitet mit der Aufforderung, in Zukunft Teesahne zu verwenden."

Da bin ich ja mal gespannt. Ich werde das aufmerksam verfolgen. #

Montag, Juli 26, 2004
      ( 09:41 )  
Der Kollege aus der Anzeigenabteilung stiefelte gerade in die Redaktion und erzählte irgendwas von "Huahi" und "Hiaho" und "Biene Maja" und ich habe mal wieder nicht begriffen, was er überhaupt hier wollte. #

Donnerstag, August 26, 2004
      ( 22:53 )  
So. Der Schrank steht. Ein Hoch auf Hilko.

Es ist eine Wonne, mit Hilko irgendetwas zusammenzuzimmern. Da kommen dann so manche Heimwerker-Weisheiten zu Tage. Beispielsweise, als Hilko die etwas widerspenstigen Schubladeneinzelteile in der Hand hatte und festellte: "Hier ist Filigranarbeit gefragt!" Anschließend schlug er mit beiden Fäusten so lange auf die Bretter, bis sie passten.

Ähnlich bei einem der späteren Arbeitsschritte. Hilko las zunächst laut aus der Bauanleitung vor: "'Rückwandhalter auf Möbelrückseite in Nut schieben. Es ist darauf darauf zu achten, dass der Rückwandhalter sauber gegen die Seite stößt.'" Daraufhin legte er den Wisch beiseite und griff nach dem Hammer. "Sauber? Also mit Gewalt." #

Donnerstag, September 30, 2004
      ( 23:57 )  
Urgs.

Ein Kollege versaute mir heute jede Vorfreude aufs Wochenende, indem er mir Details von einer kleinen Party (besser "Orgie") bei ihm zu Hause auftischte.

Das harmloseste war noch: "Manchmal ist XXX einfach aufgesprungen und hat dem YYY seinen blanken Arsch gezeigt, damit er ihm ein paar draufklatschen konnte."

Und zufrieden stellte er fest: "Die Frauen mussten gestern Abend wieder was mitmachen." Er selbst offenbar nicht. Ihm scheint das "Draufklatschen" durchaus Freude bereitet zu haben.

Man mag gar nicht mehr rausgehen am Wochenende, weil man Angst hat, dass irgendjemand einem seinen nackten Hintern entgegenstreckt und erwartet, dass man ihm "ein paar draufklatscht".

*angewidert schüttel* #

Montag, November 08, 2004
      ( 19:21 )  
Das ist wieder ein Tag heute gewesen.

Erstmal war ich heute Mittag beim Arbeitsamt. Mich schon mal präventiv arbeitslos melden. Und da war das ja mal wieder eine klassische Beamten-Parade.

Das fing damit an, dass ich auf einem Bogen unter anderem meinen bisher erreichten Abschluss angeben musste. Allerdings suchte ich in der Ankreuzliste vergebens "Abitur", denn da stand lediglich "Hauptschulabschluss", "Realschulabschluss", "Fachhochschulabschluss" und "Hochschulabschluss".

Ich sagte zu der Dame: "Mein Schulabschluss ist hier nich aufgeführt?" Sie sagte: "Was? Welche Schule haben sie denn besucht?" Ich sagte: "Ich habe auf einem Gymnasium mein Abitur gemacht." Sie sagte: "Fachhochschulabschluss oder Hochschulabschluss?" Ich sagte: "Ich habe keinen Hochschulabschluss, lediglich die allgemeine Hochschulreife." Sie sagte: "Das ist egal" und kreuzte "Hochschulabschluss" an. So kommt man also zum akademischen Grad.

Dann durchlief ich die ganze Prozedur und landete schließlich beim Job-Vermittler. Das muss man, ob man will oder nicht.

Der Vermittler kam erstmal gar nicht darauf klar, dass ich als "Volontär" gearbeitet hatte, mich aber erdreistete, mich als "Redakteur" in den Job-Verteiler stellen zu lassen.

Wir einigten uns auf die Bezeichnung "Journalist", die sich auch in seinem Computerprogramm fand. Schließlich musste ich in diesem Programm auswählen, welche Kenntnisse ich denn so gesammelt hatte. Und man stelle sich vor: Zur Auswahl standen Dinge wie "Denkvermögen", "Kommunikationsfähigkeit", "Schreibtätigkeit" (oder sowas). Ich habe in dieser merkwürdigen Liste am Ende schließlich noch "Lesen", "Sprechen", "Sitzen", "Stehen", "Gucken", "Machen", "Tun", "Atmen" und eigentlich auch noch "Arschkriechen" und "Stiefellecken" erwartet. Gabs aber nicht.

Ich sah den Vermittler an und fragte: "Wer hat denn dieses Programm erstellt?" Er schaut mich schief an: "Offenbar niemand, der sich mit ihrem Job auskennt." Ich darauf: Vielleicht können sie ja bei Gelegenheit mal anbringen, dass dieses Programm nicht den Ansprüchen der Wirklichkeit genügt?" Er sagt: "Nein, das machen Sie man lieber selbst. Da habe ich mir schon mal die Finger mit verbrannt." #

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